Planned Pooling mit (fast) jedem Garn
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In diesem Beitrag möchte ich Dir zeigen, dass das Pooling nicht mit permanenter Zählerei zu tun hat und Du auch nicht zwangsläufig ein spezielles Garn dafür brauchst. Beginnen wir aber zunächst mit der Erläuterung.

Was ist Pooling eigentlich? Ich nenne es immer „den kleinen Bruder des Wilderns“, da es mir optisch so vorkommt. Das Wildern (den Beitrag dazu findest du hier) ist das Entstehen von Farbflächen, die durch das aufeinandertreffen der jeweils gleichen Farbabschnitte entstehen. Wildern geht tendenziell eher in Runden, wenngleich es auch Ausnahmen in Reihen gibt. Das Planned Pooling geht nur in Reihen. Dabei wandern Farbabschnitte so im Strickstück hin und her, dass teilweise Farbflächen enstehen, teilweise aber auch Übergänge der Farben vorhanden sind. Insgesamt sieht ein Stück mit Planned Pooling aus wie ein Schottenmuster.

Vergleichst Du das Bild mit dem Beitragsbild, wird Dir eines Auffallen: Das ist doch das gleiche Garn! Aber warum sieht das so anders aus?

Beim Pooling hängt die Musterung – ganz wie beim Wildern – extrem von der Maschenzahl ab. In dem Beispiel habe ich eigentlich nur die Maschenprobe gearbeitet, mit der ich die Farbabschnitte ausgezählt habe. Doch auch dieses kleiner Musterstück hat ein Farbmuster ergeben. Ob man das jetzt auch Pooling nennen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

Und was genau ist jetzt Planned Pooling? Mit der richtigen Vorbereitung ist das Pooling berechenbar. Das klappt zwar nicht ganz so intuitiv wie beim Wildern, aber dank eines Hilfsmittels kann man solange tüfteln, bis man das perfekte Ergebnis hat.

Damit Du nun möglichst schnell und möglichst einfach mit Garn aus deinem Vorrat loslegen kannst, gehe ich mit Dir die Methode nun im Detail durch:

Welches Garn benötigst du?

Immer mehr Unternehmen bringen aktuell extra Garne heraus, die speziell für das Planned Pooling „erfunden“ wurden. Das jedoch ist eigentlich nur eine Werbemaßnahme. Damit lässt sich ganz wundervoll auf den Zug aufspringen, während es nach meiner Meinung dem Kunden gegenüber doch fraglich ist. Denn was uns die Unternehmen nicht verraten: Fast jedes bunte Industriegarn, insbesondere solche, die das Wort „Color“ enthalten, können poolen bzw. auch wildern. Wichtig sind dabei sich immer wiederholende Farbabschnitte, die nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sind. Je nach gewünschtem Projekt sollten die einzelnen Abschnitte maximal 100cm lang sein. Kürzere Abschnitte funktionieren auch, jedoch sollten es mindestens 15-20cm sein.

Natürlich kannst Du auch wie beim Wildern handgefärbte Garne nutzen. Dabei ist es tatsächlich unerheblich, ob sich die Farben im Strang wiederholen, solange die Farbabschnitte einzeln lang genug sind und nicht zu fleckig (dazu später ein Beispiel). Auch die Stranglänge ist hier nicht so relevant, da Du durch Anpassung der Maschenzahl das Garn immer zum poolen bringen kannst.

Los geht's - Die Bestimmung der Farbabschnitte

Um die Wolle überzeugen zu können, dass sie ein Pooling-Muster entwickelt, musst Du sie kennenlernen. Das ist wirklich simpel. Nimm Dir zuerst dein Knäuel und lege den in der Runde hin (wie bei einem Strang). Bringe dieselben Farben übereinander und vergleiche die Farbrapporte. Es kann sein, dass dein Garn pro Farbrapport zum Beispiel 2 mal rot hat. Dann darfst du diese beiden roten Abschnitte nicht übereinander legen, sondern musst natürlich auf den gesamten Rapport schauen.  Im Strang weißt Du ja von Anfang an, wie dein Farbrapport ist. Die 4 Beispiele in meinem Beitrag sehen im Strang etwa so aus:

Nun musst Du eine Maschenprobe stricken. Diese brauchst Du aber nicht waschen und auch nicht ausmessen. Es sei denn, Du möchtest später eine bestimmte Breite stricken, dann solltest Du die Breite der Maschenprobe notieren. Stricke mit der Nadelstärke, die Du später auch für das Projekt nehmen möchtest. Du schlägst etwa 20 Maschen an und strickst kraus rechts. (Das Pooling funktioniert prinzipiell auch mit glatt rechts, allerdings stricken die meisten Personen lockere linke Maschen. Das kann das Ergebnis stark beeinflussen.). Du hast ja zuvor deinen Farbrapport betrachtet, die einzelnen Farben notierst Du dir dann auf einem Zettel in der Reihenfolge des Auftretens. Dann strickst Du 5 Wiederholungen des Farbrapports, beginnend mit der ersten Farbe, und notierst jeweils die benötigten rechten Maschen. Am Ende nimmst Du die 5 verschiedenen Werte, addierst sie und teilst durch 5. Du hast somit den Mittelwert gebildet, also den Durchschnitt, mit dem Du weiter arbeitest. In den Beispielen oben ergibt sich folgendes:

  • Gelb: 42 Maschen
  • Schwarz: 30 Maschen
  • Grau: 21 Maschen
  • Grün: 14 Maschen
  • Blau: 23 Maschen
  • Grün: 14 Maschen
  • Braun: 14 Maschen
  • Blau: 24 Maschen
  • Braun: 17 Maschen
  • Blau: 28 Maschen
  • Pink: 14 Maschen
  • Türkis: 14 Maschen
  • Pink: 20 Maschen
  • Türkis: 14 Maschen
  • Pink: 14 Maschen
  • Orange: 16 Maschen

Und jetzt beginnt die Magie

In den meisten Tutorials wird Dir empfohlen, die Maschen immer um 2 zu versetzen, damit das Muster entsteht. Das ist natürlich eine Möglichkeit, es geht aber dank eines Hilfmittels viel einfacher. Die Wunderwaffe ist wie beim Wildern die Seite www.plannedpooling.com, auf der Du deine Werte einfach eingeben und anwenden kannst.

Mit einem Klick auf das Farbfeld kannst Du die Farben entsprechend deiner Wolle anpassen, die Maschenzahl fügst du daneben ein. Hast Du mehr als die vorgegebenen 2 Farben, kannst Du über „Add a color“ die Farben hinzufügen. Bitte denke auch hier daran, alle Farben einzeln einzutragen, auch wenn sie sich im Rapport wiederholen.

Bei „Stitches in a row“ gibst Du deine für das Projekt gewünschte Maschenzahl ein. Darunter wählst Du bitte „Flat (back and forth) knitting“, also „In Reihen stricken“. Die andere Möglichkeit wäre in Runden das Wildern.

Hier musst Du eins beachten: Kraus rechts zieht sich in der Höhe sehr zusammen, während Dir das Programm quadratische Maschen auswirft. Denke also daran, dass die Winkel der Muster etwas platter gedrückt sind!

So sieht es im Programm aus.
So sieht es gestrickt aus!

Außerdem solltest Du für deinen Vergleich des Strickstücks beachten, dass das Programm immer von oben beginnt. Du musst es also in Gedanken horizontal spiegeln, um sicher zu gehen, dass Du auf dem richtigen Weg bist.

Wie sehen die Ergebnisse aus?

Ich habe 4 Muster gestrickt, um Dir zu zeigen, dass sich wirklich fast jedes Garn eignet. Wie Du oben gesehen hast, wurde ein Strang genommen mit nur 2 Farbabschnitten, ein Strang mit 4 Farbabschnitten, ein Strang der eher wild ist und ein Knäuel Industriegarn.

Beispiel 1: Strang mit 2 Farbabschnitten (je eine Hälfte des Stranges in einer Farbe)

Wie Du siehst, sind die Winkel etwas flacher, das Muster ist aber gut erkennbar

Beispiel 2: Strang mit 4 Farbabschnitten

Das Muster änderte sich mit der Reihenzahl. Entweder habe ich lockerer gestrickt oder das Garn hatte ein kleine Ungleichmäßigkeit.

Hierbei handelt es sich übrigens um das Garn aus dem Wilderbeitrag(siehe Foto)! Ich finde es sehr faszinierend, was für unterschiedliche Optiken aus einem Garn entstehen können.

Beispiel 3: Strang mit 4 Farbabschnitten, die aber eher fleckig sind (Blauweiß hier vereinfacht als Blau)

Sogar diese wilde Wolle ergibt ein Muster. Dieses ist natürlich weniger eindeutig, was aber auch an der Maschenzahl liegt (ich habe die Stauchung nicht beachtet).

Beispiel 4: Industriegarn mit einem Farbrapport von 6 Farben

Am Anfang hatte ich etwas Probleme mit der Strickfestigkeit, aber sobald diese einheitlich war, fing das Muster genauso an zu poolen, wie das Programm es vorhergesagt hat.

Problemlösung

  • Dein Muster verändert sich: Du strickst nicht immer gleich, an manchen Tagen bist Du vielleicht wütend und strickst fester, an anderen entspannt und strickst lockerer. Das schlägt sich beim Planned Pooling natürlich schnell im Strickbild nieder. Möchtest Du trotzdem gleichbleibende Muster erhalten, solltest du bewusst auf die Fadenspannung achten.
  • Irgendwie wird dein Muster zu flach: Ändere die Maschenzahl im Programm und wähle eine Maschenzahl, wo die Winkel ziemlich Groß sind, das X also sehr schmal, aber hoch wird. Im Beispiel sind es zuerst 70 und dann 71 Maschen, und das Ergebnis ist ein riesiger Unterschied!
  • Geht das auch für größere Projekte? Ja, natürlich. Probiere dafür einfach andere Maschenzahl aus und das Programm wirft die Ergebnisse aus. Das Doppelte der zuerst berechneten Maschenzahl ist ein Leitfaden, an dem Du dich orientieren kannst. Wie Du aber siehst, kannst Du durch testen der nächsten Maschenzahlen (mehr ODER weniger) noch Verbesserungen rausholen. An dem den ersten beiden Beispielen siehst Du, dass gerade Garne, die einen großen Farbrapport haben, erst ab einer bestimmten Größe symmetrische Muster machen.

Ich danke Dir, dass Du mein Tutorial durchgelesen hast. Ich hoffe, ich konnte Dir einiges beibringen und wünsche Dir viel Spaß beim Nacharbeiten. Findest Du diese Art von Tutorial gut? Gibt es etwas zu verbessern? Dann lass es mich bitte in einem Kommentar wissen. Ich würde mich sehr freuen!

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